Mehrwertsteuersenkung ab 01. Juli 2020 - Herausforderung Konjunkturpaket für Unternehmer

Die Mehrwertsteuersenkung im Rahmen des großen Konjunkturpakets der Bundesregierung tritt bereits am 1. Juli in Kraft – das stellt zahlreiche Unternehmer und Selbstständige vor große Herausforderungen. Und selbst bei Verbrauchern hinterlässt die Ankündigung der kurzfristigen Steuersenkung große Fragezeichen.

Wir verraten Ihnen, welche Aufgaben mit der Mehrwertsteuersenkung verbunden sind und wo Stolpersteine liegen.

Mehrwertsteuersenkung 2020 – von 19 auf 16 Prozent

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind in der deutschen Wirtschaft deutlich spürbar. Während sich noch immer zahlreiche Unternehmen in Kurzarbeit befinden oder gar von der Insolvenz bedroht sind, rechnet die Bundesregierung für das Jahr 2020 mit einem Bruttoinlandsprodukt von -6,3 Prozent. Was also tun, um die Wirtschaft schnellstmöglich wieder anzukurbeln und die drastischen Folgen des Lockdowns zumindest ein wenig zu kompensieren? Ein Konjunkturpaket musste her.

Dieses wurde nun von der Regierung verabschiedet. Die darin enthaltenen Maßnahmen erstrecken sich von einer verdoppelten Prämie beim Kauf von Elektroautos über einen 300 € Bonus pro Kind bis hin zur zeitlich befristeten Mehrwertsteuersenkung von 19 auf 16 % beziehungsweise von 7 auf 5 % für den ermäßigten Steuersatz. Während sich viele Unternehmer und Verbraucher über die meisten Bausteine freuen, sorgt die Steuersenkung teilweise für Verständnislosigkeit und Kopfschütteln.

Senkung der Mehrwertsteuer – Effekte für Verbraucher überschaubar

Bereits kommenden Monat, also am 1. Juli 2020, beträgt die Mehrwertsteuer, die korrekterweise übrigens Umsatzsteuer heißt, drei beziehungsweise zwei Prozent weniger. Was auf den ersten Blick gut klingt, entpuppt sich beim zweiten Hinschauen als ziemliche Herausforderung für Unternehmer bei gleichzeitig sehr überschaubarem Nutzen für den Endverbraucher. 3 Prozent, das macht beim Lebensmitteleinkauf im Supermarkt bei 100 € dann 1,87 € weniger auf dem Kassenzettel.

Immerhin: Da die Steuersenkung bis zum 31. Dezember 2020 gilt, sind es am Ende des Jahres im Durchschnitt um die 50 €. Natürlich steigen die Vorteile bei höheren Anschaffungskosten. Wer höhere Summen ausgibt, spürt den reduzierten Steuersatz logischerweise mehr. Selbstständige geraten jetzt trotzdem in Stress – und den haben sie eigentlich schon genug.

Mehrwertsteuersenkung sorgt für enormen Aufwand

Vater Staat kostet die befristete Senkung der Umsatzsteuer 20 Milliarden Einnahmen, Unternehmen immens viel Zeit und Nerven. Viele Wirtschaftsvertreter und -Experten haben sich nun schon zum unverhältnismäßigen Aufwand geäußert.

Michael Gerling, Geschäftsführer des Handelsforschungsinstituts (EHI), dazu: „Die Mehrwertsteuersenkung hört sich erstmal gut an, für den schwer angeschlagenen Handel bringt sie aber keine Vorteile.“ Im Gegenteil, zumindest wenn Handel und Dienstleistungsunternehmen den Steuervorteil an ihre Kunden weitergegeben.

Böse Zungen behaupten aber schon jetzt, dass dies nur selten der Fall sein wird. Und prinzipiell hat natürlich jeder Selbstständige die Möglichkeit, seine Preise so anzupassen, dass die Steuersenkung am Kunden vorbeigeht. Auf der anderen Seite: Am Ende des Tages beeinflussen beide Wege die Wirtschaft positiv, wenngleich immer noch überschaubar oder gar – den Umstellungsaufwand gegengerechnet – nahezu gar nicht.

Reduzierung der Umsatzsteuer – Unternehmer müssen Plan aufstellen

Viele Unternehmer fragen sich nun, wie sie die Steuermaßnahme aus dem „Wumms“-Konjunkturpaket in gerade einmal drei Wochen umsetzen sollen. Logisch, dass die Telefone der Steuerbüros gerade Sturm klingeln. Aber: Es gibt einen kleinen Workaround, mit dem sich der Aufwand in Grenzen halten kann. Der Steuerrabatt lässt sich – ähnlich wie bei einer klassischen Werbeaktion – an der Kasse abziehen. Juristisch sei das wohl möglich, der Vorwurf der mangelnden Preistransparenz könnte aber schnell im Raum stehen.

Viele Unternehmer und Selbstständige werden jetzt im Akkord sämtliche Vorbereitungen treffen müssen. Im Einzelnen könnten das sein:

  • Anpassung der Preislisten und Preisauszeichnungen am POS, in Katalogen, Online-Shops usw.
  • Umprogrammierung der Kassen
  • Aktualisierung von Stammdaten
  • laufende Verträge mit Einzugsermächtigung umstellen
  • Umstellung von Warenwirtschaftssystemen und kaufmännischer Software

Fakt ist: Es kommt viel Arbeit auf alle Unternehmen zu, die in den vergangenen Wochen eigentlich schon mehr als genug Belastung aushalten mussten. Aber wieder einmal klagen wir auf hohem Niveau: Als 2008 in Großbritannien „spontan“ die Steuern gesenkt wurden, betrug der Vorlauf gerade einmal sieben Tage.

Mehrwertsteuer mit ERP-System ganz einfach anpassen

Es ist also notwendig, dass sich Unternehmen schnell auf die Mehrwertsteuersenkung einstellen. Es gilt, Software neu zu konfigurieren, Stammdaten zu aktualisieren, Mitarbeiter zu schulen, Verträge mit Einzugsermächtigung umzustellen, Zwischenrechnungen zu schreiben und vieles mehr. Und nicht nur das: Zum Stichtag 21.12.2020 müssen alle Änderungen wieder rückgängig gemacht werden.

Wenn Unternehmen eine ERP-Lösung nutzen, sind sie jetzt übrigens klar im Vorteil: Mit einer entsprechenden Finanzsoftware lässt sich der Mehrwertsteuersatz nämlich mit wenigen Handgriffen zu den jeweiligen Stichtagen ändern. Das System zur Steuerung der betriebswirtschaftlichen Prozesse berücksichtigt den neuen Wert danach automatisch, beispielsweise bei der Buchhaltung.

Sie nutzen noch kein ERP-System? Dann haben wir einen Tipp für Sie: Kontaktieren Sie uns und lassen sich zur Einrichtung einer ERP-Lösung beraten.